Von Pakistan nach Bayern

In Pfaffenhofen wird viel für die Integration von Flüchtlingen getan. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger engagieren sich vor Ort in ehrenamtlichen Helferkreisen. Die meisten Flüchtlinge versuchen, möglichst schnell in Deutschland eine Aufenthaltsgestattung zu bekommen und Arbeit zu finden. Bei der Jobsuche helfen oft ehrenamtliche Mitarbeiter. So auch Christine Scherg und Christine Franke vom Arbeitskreis Asyl in Pfaffenhofen, die sich nach einem Praktikumsplatz für den 27-jährigen Pakistani Muhammad Asif umgesehen haben. Heute arbeitet er als Anlagenbediener bei MAWA.

In ganz Deutschland sind offene und unabhängige Hilfsgruppen und Informationsplattformen entstanden, organisiert von Privatpersonen, die sich der Anliegen der Asylbewerber annehmen – vom Deutschkurs über Behördengänge bis hin zur Kinderbetreuung. Menschen, die Schutz vor Krieg, Not und Verzweiflung suchen, landen in Deutschland zunächst in Erstauffanglagern, werden dort registriert und dann auf die einzelnen Asylbewerberunterkünfte verteilt.

Sein neues Zuhause: Die Asylunterkunft in Pfaffenhofen

Eine davon ist in einem ehemaligen Bürogebäude in Pfaffenhofen. Dort schläft Muhammad Asif mit 20 anderem in einem Raum. Drei Betten nebeneinander, dann ein Spind, und wieder drei Betten mit Spind usw. Es gibt keinen Sichtschutz. Und schon gar keine Privatsphäre. Drei Asylbewerber teilen sich einen Kühlschrank und 30 Pakistani haben zusammen eine Küche. Von dort aus geht Herr Asif morgens zu seiner neuen Arbeitsstelle bei MAWA. Arbeitsbeginn ist 6:30 Uhr. Um 15 Uhr hat Muhammad Feierabend.

Die Wohnsituation ist nicht einfach. Und doch ist Muhammad Asif froh, in Deutschland zu sein. Die schlechten Nachrichten aus Pakistan reißen nicht ab. Seit der Unabhängigkeit 1947 ist das südasiatische Land Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Volks- und Glaubensgruppen. Und mit der Islamisierungspolitik der 1980er-Jahre erlebte Pakistan einen rasanten Zuwachs an religiösem Extremismus. Gewalttätige Ausschreitungen, eine ausufernde Korruption und der allgegenwärtige Machtmissbrauch der Sicherheitskräfte prägen den Alltag in Pakistan.

Weltweite Flüchtlingsbewegung Richtung Europa

Muhammad stammt aus dem 25.000 Einwohner Städtchen Phalia im Südosten Pakistans. Das Haus seiner Eltern liegt direkt gegenüber einer Moschee. Die Sicherheitslage in der Kleinstadt ist seit Jahren angespannt. Zuletzt gab es immer mehr Ausschreitungen. Das Leben in Phalia ist gefährlich. Gerade für junge Männer. Schließlich war es die eigene Mutter, die ihm riet, aus seinem Heimatland zu fliehen. Ende September 2015 kam er schließlich nach Deutschland.

Ohne Ehrenamtliche wäre Integration kaum zu bewältigen

Der Arbeitskreis Asyl des Internationalen Kulturvereins Pfaffenhofen (IKVP) zählt mittlerweile mehr als 50 aktive Helfer und betreut derzeit rund 200 Flüchtlinge. Auch Christine Scherg und Christine Franke arbeiten ehrenamtlich für den 2011 gegründeten Arbeitskreis. Und Frau Scherg kennt Michaela Schenk, Chefin des MAWA Markenherstellers für Kleiderbügel in Pfaffenhofen. Da lag es nahe, nach einem Praktikumsplatz für einen ihrer Schützlinge zu fragen.

Seit Dezember 2015 ist Muhammad Asif in Pfaffenhofen. Dank der Vermittlung von Christine Scherg absolvierte der gelernte Vermessungstechniker zunächst ein Praktikum in der MAWA Taucherei, wo die rutschhemmende PVC-Beschichtung die Produktion eines MAWA Kleiderbügels abschließt. Dort arbeitet er als Anlagenbediener „am Tauchofen“, wie MAWA Produktionsleiter Franz Klein es nennt. Beim Probearbeiten zeigte sich der junge Pakistani sehr engagiert, betont er. Und dann hatte Muhammad Asif einfach Glück: Just zu der Zeit wurde eine Stelle in der Taucherei frei. Und so konnte er von MAWA kurzerhand in Festanstellung übernommen werden.

MAWAs Engagement für Flüchtlinge

Für Flüchtlinge, die in Deutschland eine gute Bleibeperspektive haben, sind Arbeitsbewilligungen durchaus zu bekommen, zumal alle Asylsuchenden nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland arbeiten dürfen. Das unermüdliche Engagement der Ehrenamtlichen und die Aufgeschlossenheit von Unternehmensseite sind allerdings Voraussetzung und machen Integration in Deutschland erst möglich. MAWA hat mit Muhammad Asif einen sehr engagierten Mitarbeiter gewonnen, der auch entsprechende Angebote an Integrations- und Sprachkursen bereitwillig nutzt – ganz so, wie es das neue Integrationsgesetz vorsieht. Auch MAWA hat die Deutschkenntnisse seines pakistanischen Mitarbeiters vertraglich gefordert. Denn nur so funktioniert die Integration der nach Deutschland kommenden Asylbewerber – auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft.

Neuer MAWA Mitarbeiter kommet aus Pakistan

MAWA Anlagenbediener Muhammad Asif

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