„Wir sollten uns daran gewöhnen, dass es Frauen in Führungspositionen gibt“

Michaela Schenk, Inhaberin und Geschäftsführerin der MAWA GmbH, äußert sich zum Internationalen Frauentag und den Themen Gleichberechtigung und Chancengleichheit:

„Seit 1911 findet jährlich am 8. März der Weltfrauentag statt, um auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Ursprünglich ins Leben gerufen, um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation voranzutreiben, hat sich die Bedeutung mit den Jahren etwas verschoben. Frauen dürfen mittlerweile glücklicherweise fast überall wählen und im Mittelpunkt stehen nun eher die Rolle der Frau in der Gesellschaft und verbundene Themen wie Chancengleichheit, Gewalt gegen Frauen oder Benachteiligung von Frauen. Auch heute gibt es damit noch genug Gründe für den Weltfrauentag. Zwar hat die Gleichberechtigung während des 20. Jahrhunderts große Sprünge gemacht, doch von gleichen Rechten und Chancen für Frauen und Männer kann in vielen Bereichen immer noch nicht die Rede sein. Beispielsweise haben einige Staaten die Gleichstellung der Geschlechter noch nicht in ihre Verfassung aufgenommen und Millionen von Frauen weltweit werden beim Zugang zu Bildung oder zur Gesundheitsversorgung diskriminiert.

Und auch in Europa und damit auch in Deutschland sind Frauen von Benachteiligungen betroffen – vor allem am Arbeitsmarkt. Noch immer ist zum Beispiel die Gender Pay Gap nicht geschlossen, was unter anderem daran liegt, dass Frauen häufiger zur Betreuung der Kinder zu Hause bleiben und ihre berufliche Arbeitszeit reduzieren. Die Corona-Pandemie hat solch eine Retraditionalisierung der Geschlechterverhältnisse sogar wieder verstärkt. Und auch in Führungspositionen sind Frauen noch immer unterrepräsentiert: Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil von Frauen im Jahr 2019 nur bei 30 Prozent. Damit lag Deutschland im Vergleich der EU-Länder auf Rang zwanzig. Ähnlich sieht es bei dem Thema Selbstständigkeit aus. Im Jahr 2019 stellte der Mikrozensus fest, dass nur etwa 34 Prozent der Selbstständigen in Deutschland Frauen sind. Zwar stiegen die Zahlen in beiden Bereichen in den letzten Jahren an, doch es gibt noch Luft nach oben.
Dafür ist es wichtig, dass ein Umdenkprozess stattfindet. Es gilt beispielsweise die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern und verschiedene Arbeitszeitmodelle anzubieten sowie das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen besser durchzusetzen. Über eine Frauenquote könnte auch ein dynamischer Prozess entstehen, durch den Frauen in Führungspositionen andere Frauen nachziehen.

Insgesamt sollten wir uns daran gewöhnen, dass es Frauen in Führungspositionen gibt. Denn für Frauen als auch für Männer ist es wertvoll, weibliche Vorbilder zu haben – Chefinnen führen nämlich anders als ihre männlichen Pendants. Deshalb gilt es, Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit zu fördern sowie zu unterstützen. Und das gelingt am besten, wenn sich getreu dem Motto für den Internationalen Frauentag 2022 ‚jede und jeder für Gleichberechtigung‘ einsetzt.“